Die feine Grenze zwischen Schenkung und Testament

Im Kontext der Finanz- und Nachfolgeplanung begegnen uns häufig komplexe Fälle, in denen wir die subtilen Unterschiede zwischen Schenkung und Testament aufdecken. Ein solcher Fall, kürzlich vom Oberlandesgericht Brandenburg entschieden, wirft ein Schlaglicht auf diese Thematik und bietet wertvolle Einsichten für Erblasser und ihre Nachfolgeplaner.

Der Fall dreht sich um den Erblasser E und seinen langjährigen Freund F, die gemeinsam ein Hausgrundstück erworben haben. E war mit einem Anteil von 64,29 % und F mit 35,71 % als Eigentümer eingetragen. Nach dem Tod des E reichte F ein handschriftlich verfasstes Schriftstück beim Nachlassgericht ein, in dem stand: „Für den Fall meines plötzlichen Ablebens verschenke ich meinen Hausanteil an den Mitbesitzer des Hauses.“ Diese Formulierung führte zu einer rechtlichen Auseinandersetzung darüber, ob es sich hierbei um ein Testament oder eine Schenkung handelte.

Das Nachlassgericht lehnte F’s Antrag auf einen Erbschein als Alleinerben ab, mit der Begründung, das Schriftstück erfülle nicht die formalen Anforderungen eines Testaments. Der Sohn des E trat diesem Anspruch entgegen, woraufhin das OLG Brandenburg die Angelegenheit überprüfte.

Das OLG stellte fest, dass für die Gültigkeit eines Testaments nicht zwingend eine formale Überschrift wie „Testament“ oder „letzter Wille“ erforderlich ist. Entscheidend sei der Inhalt und der Wille des Erblassers. Da E seinen Hausanteil für den Fall seines Todes „verschenken“ wollte, interpretierte das Gericht dies als eine Erbeinsetzung. Dies beruht auf der Annahme, dass E, indem er über seinen wesentlichen Vermögensgegenstand verfügte, tatsächlich die Absicht hatte, F als Erben einzusetzen.

Fazit:

Dieser Fall zeigt deutlich, dass die Grenzen zwischen Schenkung und Testament fließend sein können und die Auslegung des Erblasserwillens entscheidend ist. Für Finanz- und Nachfolgeplaner bedeutet dies, dass sie ihren Klienten raten sollten, sich nicht nur auf die inhaltliche Gestaltung, sondern auch auf die formale Korrektheit ihrer Verfügungen zu konzentrieren. Das OLG Brandenburg unterstreicht die Wichtigkeit einer präzisen und klaren Formulierung, um den wahren Willen des Erblassers zu reflektieren und rechtliche Auseinandersetzungen zu vermeiden.

Eine Checkliste kann für Finanz- und Nachfolgeplaner in der täglichen Beratung äußerst hilfreich sein, um sicherzustellen, dass alle wichtigen Aspekte der Planung berücksichtigt werden. Hier ist ein Vorschlag für eine solche Checkliste:

Checkliste für Finanz- und Nachfolgeplanung

KategorieCheckpunkte
Klientenprofil– Persönliche und finanzielle Ziele des Klienten erfassen
– Familienstand und Nachkommen berücksichtigen
– Berufliche und finanzielle Situation klären
Vermögensübersicht– Gesamtes Vermögen auflisten (Immobilien, Konten, Investitionen, etc.)
– Schulden und Verbindlichkeiten erfassen
Risikomanagement– Versicherungen überprüfen (Lebens-, Berufsunfähigkeits-, Haftpflichtversicherung etc.
– Notfallpläne für unvorhersehbare Ereignisse erstellen
Steuerplanung– Aktuelle Steuersituation analysieren
– Steueroptimierungsstrategien entwickeln
– Auswirkungen von Schenkungen und Erbschaften auf die Steuerlast bedenken
NachfolgeplanungTestament oder Erbvertrag prüfen bzw. erstellen
– Potenzielle Erben und deren Ansprüche klären
– Besondere Wünsche oder Auflagen für die Nachfolge festlegen
Dokumentation– Alle relevanten Dokumente (Testamente, Verträge, Policen) aktuell halten
– Wichtige Dokumente sicher, aber zugänglich aufbewahren
Regelmäßige Überprüfung– Jährliche Überprüfung der Finanz- und Nachfolgeplanung
– Anpassungen bei Änderungen in der persönlichen oder finanziellen Situation
Kommunikation– Regelmäßige Gespräche mit Klienten führen
– Klare und verständliche Kommunikation aller Pläne und Änderungen

Diese Checkliste sollte an die individuellen Bedürfnisse jedes Klienten angepasst werden. Es ist wichtig, dass Finanz- und Nachfolgeplaner ihre Klienten kontinuierlich unterstützen und beraten, um sicherzustellen, dass deren Pläne aktuell bleiben und ihre Ziele effektiv erreicht werden.

h_krischke
Author: h_krischke

Seit Oktober 2018 bin ich bei der DZ PRIVATBANK S.A. tätig, berate vermögende Privat- und Firmenkunden sowie Stiftungen auf die strategische und systematische Planung zur Verwaltung und Steigerung des Vermögens einer Person oder eines Unternehmens. Im Oktober 2021 habe ich das Netzwerk IFFUN UG - Informationen für Finanz- und Nachfolgeplanung gegründet, mit dem Ziel fachliche Impulsvorträge zur Wissensvermittlung zu ermöglichen. Seit Juni 2023 bin ich im FPSB Deutschland e.V. als Schatzmeister tätig und gemeinsam mit den Vorstandskollegen bestrebt, dem Ansehen der privaten Finanzplanung vermehrt Aufmerksamkeit zu ermöglichen.

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