Teilfreistellung bei Investmentfonds: Steuervorteile im Privat- und Betriebsvermögen effektiv nutzen

Investmentfonds sind eine beliebte Anlageform, die sowohl Privatanlegern als auch Unternehmen ermöglicht, ihr Kapital breit gestreut in den Finanzmärkten zu investieren. Durch die Diversifikation können Risiken minimiert und gleichzeitig Chancen auf attraktive Renditen genutzt werden. Doch neben der Auswahl der richtigen Fonds und der strategischen Portfoliozusammenstellung spielt auch die steuerliche Behandlung der erzielten Kapitalerträge eine entscheidende Rolle bei der Optimierung der Anlageergebnisse. Ein zentrales Element dabei ist die sogenannte Teilfreistellung.

Die Teilfreistellung bei Investmentfonds ist eine steuerliche Regelung, die bestimmte Erträge aus Investmentfondsanteilen unter bestimmten Voraussetzungen von der Steuer befreit. Diese Regelung kann signifikante Auswirkungen auf die effektive Rendite von Kapitalanlagen haben und ist daher sowohl für Privatanleger als auch für Unternehmen von großer Bedeutung. Doch trotz ihrer Relevanz ist die Teilfreistellung ein Thema, das in seiner Komplexität oft unterschätzt wird.

In diesem Blogbeitrag werfen wir einen detaillierten Blick auf die Teilfreistellung bei Investmentfonds. Wir erklären, was hinter diesem steuerlichen Mechanismus steckt, welche Voraussetzungen erfüllt sein müssen und wie sowohl Privatanleger als auch Unternehmen die sich bietenden Vorteile optimal nutzen können. Unser Ziel ist es, Ihnen ein umfassendes Verständnis für die Teilfreistellung zu vermitteln und praktische Tipps an die Hand zu geben, mit denen Sie Ihre steuerliche Last minimieren und Ihre Anlageziele effizienter erreichen können.

Grundlagen der Teilfreistellung

Die Teilfreistellung bei Investmentfonds ist ein steuerliches Instrument, das darauf abzielt, die Doppelbesteuerung von Erträgen zu vermeiden. Diese Regelung ist besonders relevant in einem System, in dem Erträge auf Unternehmensebene bereits besteuert wurden und erneut bei der Ausschüttung an den Anleger der Einkommensteuer unterliegen könnten. Die Teilfreistellung sorgt dafür, dass ein Teil dieser Erträge von der Besteuerung beim Anleger freigestellt wird. Im Folgenden werden die Grundlagen dieser Regelung erläutert.

Was ist die Teilfreistellung?

Die Teilfreistellung bezieht sich auf eine prozentuale Reduzierung der Steuerlast auf bestimmte Erträge aus Investmentfonds, die in Aktien, Immobilien oder anderen Anlageklassen investieren. Die genaue Höhe der Freistellung hängt von der Art des Fonds und der Zusammensetzung seines Portfolios ab. Ziel ist es, eine Überbesteuerung zu verhindern und Anlagen in bestimmten Wirtschaftsbereichen, wie z. B. dem Aktienmarkt, steuerlich attraktiver zu machen.

Rechtlicher Hintergrund

Die gesetzliche Grundlage für die Teilfreistellung ist im Investmentsteuergesetz (InvStG) verankert. Dieses Gesetz wurde zuletzt im Rahmen der Investmentsteuerreform 2018 umfassend überarbeitet und legt fest, unter welchen Bedingungen und in welchem Umfang die Teilfreistellung für Investmentfonds und deren Anleger gilt.

Historische Betrachtung der Teilfreistellung

Die Einführung der Teilfreistellung bei Investmentfonds ist eng mit der Reform des Investmentsteuergesetzes im Jahr 2018 verbunden. Diese Reform zielte darauf ab, das Steuersystem für Investmentfonds und deren Anleger zu vereinfachen und international wettbewerbsfähiger zu gestalten. Vor dieser Reform wurden Erträge aus Investmentfonds anders besteuert, was zu einer komplexen und teilweise als ungerecht empfundenen steuerlichen Belastung führte.

Beweggründe für die Einführung

Die Hauptbeweggründe für die Einführung der Teilfreistellung lassen sich wie folgt zusammenfassen:

  1. Vermeidung der Doppelbesteuerung: Eine zentrale Zielsetzung war es, eine mögliche Doppelbesteuerung von Erträgen – einmal auf Unternehmensebene und dann erneut auf Anlegerebene – zu vermeiden. Dies war insbesondere bei Dividendenerträgen aus Aktienfonds ein Problem, da diese Erträge bereits auf Unternehmensebene besteuert wurden.
  2. Förderung der Kapitalanlage: Die Teilfreistellung sollte als Anreiz dienen, um Investitionen in Aktien und andere Wertpapiere attraktiver zu machen. Durch die steuerliche Entlastung erhoffte man sich eine Stärkung der Eigenkapitalfinanzierung und eine Belebung des Kapitalmarkts.
  3. Vereinfachung des Steuersystems: Das vorherige Steuersystem für Investmentfonds war komplex und für viele Anleger schwer zu durchschauen. Die Reform und die Einführung der Teilfreistellung sollten zu einer Vereinfachung beitragen und die Steuererklärung für Anleger transparenter und nachvollziehbarer machen.
  4. Anpassung an internationale Standards: Ein weiterer wichtiger Beweggrund war die Anpassung des deutschen Steuersystems an internationale Standards. Durch die Reform wollte man sicherstellen, dass Deutschland als Standort für Kapitalanlagen international wettbewerbsfähig bleibt.

Effekte der Einführung

Seit der Einführung der Teilfreistellung haben viele Anleger von der steuerlichen Entlastung profitiert. Die Regelung hat dazu beigetragen, die Attraktivität von Investmentfonds als Anlageform zu erhöhen und gleichzeitig eine gerechtere Besteuerung zu gewährleisten. Auch wenn die Reform zunächst Anpassungen und ein Umdenken bei Anlegern und Finanzinstituten erforderte, hat sie doch maßgeblich zur Vereinfachung und Transparenz des Steuersystems beigetragen.

Die historische Betrachtung zeigt, dass die Teilfreistellung ein Ergebnis gezielter steuerpolitischer Überlegungen ist, die darauf abzielten, das Investmentsteuerrecht in Deutschland zu modernisieren und für Anleger attraktiver zu gestalten. Diese historischen und beweggrundbezogenen Aspekte bilden ein wichtiges Fundament für das Verständnis der aktuellen Regelungen und deren Anwendung im Privat- und Betriebsvermögen.

Zielsetzung der Teilfreistellung

Die Hauptzielsetzung der Teilfreistellung liegt in der Förderung der Kapitalmarktinvestition und der Vermeidung einer steuerlichen Doppelbelastung. Indem ein Teil der Erträge von der Besteuerung freigestellt wird, sollen Anreize für Investitionen in bestimmte Wirtschaftsbereiche geschaffen werden. Dies unterstützt nicht nur die individuellen Anlagestrategien von Privatpersonen und Unternehmen, sondern trägt auch zur Stärkung der Kapitalmärkte bei.

Für wen gilt die Teilfreistellung?

Die Teilfreistellung gilt sowohl für private Anleger als auch für Unternehmen, die in Investmentfonds investieren. Die Anwendung und der Umfang der Freistellung können jedoch je nach Art des Anlegers (privat oder betrieblich) und der Art des Investmentfonds variieren. Wichtig zu beachten ist, dass die Teilfreistellung automatisch angewendet wird, sofern die Voraussetzungen erfüllt sind. Anleger müssen hierfür in der Regel keine gesonderten Anträge stellen.

Teilfreistellung im Privatvermögen

Die Teilfreistellung bei Investmentfonds im Privatvermögen ermöglicht privaten Anlegern, ihre steuerliche Last auf Erträge aus bestimmten Investmentfonds zu reduzieren. Dieser Abschnitt erläutert die Voraussetzungen für die Anwendung der Teilfreistellung, zeigt auf, wie die Berechnung erfolgt, und veranschaulicht die Auswirkungen anhand von Beispielen.

Voraussetzungen für die Teilfreistellung

Die Anwendung der Teilfreistellung auf private Kapitalanlagen ist an bestimmte Voraussetzungen geknüpft:

  1. Art des Investmentfonds: Die Teilfreistellung gilt für Erträge aus Investmentfonds, die bestimmte Anlageklassen enthalten. Dazu gehören insbesondere Aktienfonds, Mischfonds, Immobilienfonds und bestimmte Arten von Dachfonds.
  2. Mindestbeteiligung an Aktien oder Immobilien: Für die Anwendung der Teilfreistellung muss der Fonds bestimmte Mindestquoten in Aktien oder Immobilien halten. Aktienfonds müssen etwa mindestens 51 % ihres Vermögens in Aktien investieren, um für die Teilfreistellung infrage zu kommen.
  3. Steuerliche Transparenz: Der Fonds muss den steuerlichen Meldepflichten in Deutschland nachkommen und entsprechende Informationen bereitstellen.

Berechnung der Teilfreistellung

Die Höhe der Teilfreistellung hängt von der Art des Fonds und seinem Investitionsfokus ab. Grundsätzlich werden die Erträge aus den Fondsanteilen entsprechend der Fondsart und der damit verbundenen Freistellungsquote teilweise von der Abgeltungssteuer befreit.

  • Aktienfonds: Für Erträge aus Aktienfonds, die mehr als 51 % ihres Vermögens in Aktien anlegen, gilt eine Teilfreistellung von 30 % für Privatanleger.
  • Mischfonds: Mischfonds, die in eine Kombination aus Aktien und anderen Anlageklassen investieren, erhalten eine Teilfreistellung, die sich nach dem Verhältnis der Aktienquote im Fonds richtet. Liegt die Aktienquote beispielsweise bei 25 % bis 50 %, beträgt die Teilfreistellung für Privatanleger 15 %.
  • Immobilienfonds: Für Erträge aus Immobilienfonds, die hauptsächlich in Immobilien investieren, beträgt die Teilfreistellung 60 % bei inländischen Immobilien und 80 % bei ausländischen Immobilien.

Beispiele zur Veranschaulichung

Beispiel 1: Aktienfonds

Ein Privatanleger erhält 1.000 EUR Dividendenerträge aus einem Aktienfonds. Die Teilfreistellung beträgt 30 %, somit sind 300 EUR (30 % von 1.000 EUR) von der Besteuerung freigestellt. Auf die verbleibenden 700 EUR werden Abgeltungssteuer sowie ggf. Soli und Kirchensteuer angewendet.

Beispiel 2: Mischfonds

Ein Anleger investiert in einen Mischfonds mit einer Aktienquote von 40 %. Die Erträge belaufen sich auf 1.000 EUR. Die Teilfreistellung beträgt in diesem Fall 15 %, also 150 EUR. Es verbleiben 850 EUR, die der Besteuerung unterliegen.

Diese Beispiele zeigen, wie die Teilfreistellung die steuerliche Belastung auf Erträge aus Investmentfonds für Privatanleger reduzieren kann. Es ist wichtig, die jeweiligen Freistellungsquoten und die Zusammensetzung des Fondsportfolios zu berücksichtigen, um den steuerlichen Vorteil optimal zu nutzen.


Teilfreistellung im Betriebsvermögen

Die Teilfreistellung bei Investmentfonds, die zum Betriebsvermögen eines Unternehmens gehören, unterscheidet sich in einigen Aspekten von der Teilfreistellung im Privatvermögen. Diese Unterschiede ergeben sich vorwiegend aus der unterschiedlichen steuerlichen Behandlung von Betriebs- und Privatvermögen. Im Folgenden werden die spezifischen Aspekte der Teilfreistellung für Unternehmen, Berechnungsbeispiele und steuerliche Optimierungsmöglichkeiten dargelegt.

Unterschiede in der Anwendung

Die wesentlichen Unterschiede in der Anwendung der Teilfreistellung auf Betriebsvermögen gegenüber Privatvermögen umfassen:

  1. Höhere Teilfreistellungssätze: Für Erträge aus Investmentfonds, die zum Betriebsvermögen gehören, gelten in der Regel höhere Teilfreistellungssätze. Dies spiegelt die Annahme wider, dass Unternehmen ein höheres Maß an Doppelbesteuerung erfahren, da sie sowohl auf Unternehmensebene als auch auf Ebene der Anteilseigner besteuert werden.
  2. Differenzierung nach Rechtsform: Die Höhe der Teilfreistellung kann auch von der Rechtsform des Unternehmens abhängen. Insbesondere Kapitalgesellschaften können unter bestimmten Voraussetzungen von höheren Freistellungssätzen profitieren.
  3. Anrechnung von Betriebsausgaben: Unternehmen haben die Möglichkeit, Betriebsausgaben, die im Kontext der Investmentfonds stehen, steuerlich geltend zu machen. Dies kann die effektive Steuerlast weiter senken.

Berechnungsbeispiele

Beispiel 1: Kapitalgesellschaft mit Aktienfondsanteilen

Eine GmbH hält Anteile an einem Aktienfonds, der zu 100 % in Aktien investiert ist. Die erzielten Dividendenerträge in einem Jahr betragen 10.000 EUR. Für Kapitalgesellschaften beträgt die Teilfreistellung bei Aktienfonds 40 %. Somit sind 4.000 EUR (40 % von 10.000 EUR) von der Besteuerung freigestellt, und 6.000 EUR unterliegen der Körperschaftsteuer und ggf. der Gewerbesteuer.

Beispiel 2: Einzelunternehmer mit Mischfondsanteilen

Ein Einzelunternehmer besitzt Anteile an einem Mischfonds mit einer Aktienquote von 60 %. Die jährlichen Erträge aus dem Fonds belaufen sich auf 5.000 EUR. Die Teilfreistellung für diesen Mischfonds beträgt im Betriebsvermögen 25 %, was zu einer Freistellung von 1.250 EUR (25 % von 5.000 EUR) führt. Im Rahmen der Einkommensteuer des Unternehmers und der Gewerbesteuer sind die verbleibenden 3.750 EUR steuerpflichtig.

Steuerliche Optimierungsmöglichkeiten

Unternehmen können verschiedene Strategien verfolgen, um ihre steuerliche Belastung unter Ausnutzung der Teilfreistellungsregelungen zu optimieren:

  1. Strategische Fondsselektion: Die Auswahl von Fonds, die den höchstmöglichen Teilfreistellungssatz bieten, kann die steuerliche Last reduzieren. Dies erfordert eine sorgfältige Analyse der Fondsstruktur und der Anlageziele.
  2. Rechtsformüberlegungen: Die Wahl der Rechtsform kann die Höhe der verfügbaren Teilfreistellung beeinflussen. Eine Umstrukturierung oder Ausgliederung von Investmentaktivitäten in eine separate Gesellschaft kann unter Umständen steuerliche Vorteile bieten.
  3. Gestaltung von Betriebsausgaben: Die gezielte Zuordnung von Betriebsausgaben, die in direktem Zusammenhang mit den investmentfondsbezogenen Einnahmen stehen, kann die steuerpflichtige Basis weiter reduzieren.

Die Teilfreistellung im Betriebsvermögen bietet Unternehmen signifikante Möglichkeiten zur steuerlichen Optimierung. Durch eine strategische Planung und Nutzung der gesetzlichen Spielräume können Unternehmen ihre Steuerlast effektiv senken und die Rendite ihrer Kapitalanlagen verbessern.

Praktische Tipps zur Optimierung der Teilfreistellung

Für Privatanleger

Privatanleger können durch strategische Entscheidungen die Vorteile der Teilfreistellung optimal nutzen. Hier sind einige Empfehlungen:

  1. Fondsselektion nach Freistellungsquote: Achten Sie bei der Auswahl von Investmentfonds auf die Höhe der Teilfreistellung. Fonds mit einer hohen Quote in Aktien oder Immobilien bieten in der Regel höhere Freistellungssätze und somit eine geringere Steuerlast.
  2. Diversifizierung des Portfolios: Durch die Diversifizierung Ihres Portfolios über verschiedene Fondsarten hinweg können Sie nicht nur das Risiko streuen, sondern auch unterschiedliche Teilfreistellungssätze nutzen, um die Gesamtsteuerlast zu minimieren.
  3. Langfristige Haltestrategie: Da die Teilfreistellung jährlich angewendet wird, kann eine langfristige Haltestrategie dazu beitragen, die steuerlichen Vorteile über die Jahre hinweg zu maximieren.
  4. Steuerliche Transparenz: Wählen Sie Fonds, die den deutschen steuerlichen Meldepflichten nachkommen, um sicherzustellen, dass Sie die Teilfreistellung ohne Komplikationen in Anspruch nehmen können.
  5. Beratung in Anspruch nehmen: Die steuerlichen Regelungen können komplex sein. Eine professionelle steuerliche Beratung kann helfen, die individuellen Möglichkeiten zur Optimierung der Teilfreistellung voll auszuschöpfen.

Für Unternehmen

Unternehmen können durch gezielte strategische Überlegungen und Planung die Teilfreistellung bei der Portfoliozusammenstellung und steuerlichen Gestaltung berücksichtigen:

  1. Strategische Asset-Allokation: Unternehmen sollten ihre Investitionen in Fonds so wählen, dass sie von hohen Teilfreistellungssätzen profitieren. Dies erfordert eine Analyse der aktuellen und zukünftigen Zusammensetzung des Fondsportfolios im Hinblick auf die steuerlichen Effekte.
  2. Rechtsform und Strukturierung überdenken: Je nach Rechtsform des Unternehmens und der Struktur des Investitionsvehikels können unterschiedliche Teilfreistellungssätze zur Anwendung kommen. Eine Überprüfung und ggf. Anpassung der Unternehmensstruktur kann steuerliche Vorteile bringen.
  3. Steuerliche Planung und Dokumentation: Eine vorausschauende steuerliche Planung, einschließlich der Dokumentation der Investitionsentscheidungen und der zugehörigen Betriebsausgaben, ist essenziell, um den vollen Umfang der Teilfreistellung ausschöpfen zu können.
  4. Nutzung von Verlustvorträgen: Unternehmen sollten prüfen, wie sich Verlustvorträge strategisch nutzen lassen, um die steuerliche Basis weiter zu optimieren, insbesondere in Verbindung mit den teilfreigestellten Erträgen.
  5. Steuerliche Beratung einholen: Angesichts der Komplexität der steuerlichen Regelungen und der Vielfalt der Investitionsmöglichkeiten ist eine spezialisierte steuerliche Beratung unerlässlich, um die steuerliche Effizienz zu maximieren und steuerliche Risiken zu minimieren.

Durch die Berücksichtigung dieser Tipps können sowohl Privatanleger als auch Unternehmen die Vorteile der Teilfreistellung effektiv nutzen und ihre steuerliche Last optimieren.


Fallbeispiele zur Teilfreistellung

Die folgenden Fallbeispiele illustrieren, wie die Teilfreistellung in der Praxis angewendet wird und welche Vorteile sie für Privatanleger und Unternehmen bietet.

Fallbeispiel 1: Privatanleger mit einem breit diversifizierten Portfolio

Ausgangssituation: Herr Müller ist ein Privatanleger, der in verschiedene Arten von Investmentfonds investiert hat, darunter Aktienfonds, Mischfonds und Immobilienfonds. Sein Ziel ist es, sein Portfolio optimal zu diversifizieren und die Steuerlast auf seine Kapitalerträge zu minimieren.

Anwendung der Teilfreistellung: Herr Müller profitiert von verschiedenen Teilfreistellungssätzen für seine Fonds:

  • Für die Dividendenerträge aus dem Aktienfonds (60 % Aktienanteil) erhält er eine Teilfreistellung von 30 %.
  • Die Erträge aus dem Mischfonds (40 % Aktienanteil) sind mit einem Freistellungssatz von 15% teilweise steuerbefreit.
  • Einkünfte aus dem Immobilienfonds, der hauptsächlich in inländische Immobilien investiert, genießen eine Teilfreistellung von 60 % für die Mieteinnahmen.

Ergebnis: Durch die strategische Auswahl seiner Fonds konnte Herr Müller seine Steuerlast auf die Fondserträge signifikant reduzieren. Die Teilfreistellung ermöglicht es ihm, einen größeren Anteil seiner Erträge zu behalten und somit die Rendite seines Portfolios zu verbessern.

Fallbeispiel 2: Unternehmen nutzt Teilfreistellung zur Steueroptimierung

Ausgangssituation: Die ABC GmbH, eine kleine Kapitalgesellschaft, entscheidet sich, einen Teil ihrer liquiden Mittel in einen Aktienfonds zu investieren, um ihre Erträge zu diversifizieren und zu steigern. Das Unternehmen möchte dabei die steuerliche Belastung seiner Investitionserträge minimieren.

Anwendung der Teilfreistellung: Die ABC GmbH wählt einen Aktienfonds, der zu 100 % in Aktien investiert ist, um von der höheren Teilfreistellung für Betriebsvermögen zu profitieren. Für Kapitalgesellschaften beträgt die Teilfreistellung bei reinen Aktienfonds 40 %.

Berechnungsbeispiel:

  • Gesamtertrag aus dem Fonds in einem Jahr: 20.000 EUR.
  • Teilfreistellung: 40 % von 20.000 EUR = 8.000 EUR sind steuerfrei.
  • Steuerpflichtiger Betrag: 12.000 EUR.

Ergebnis: Durch die gezielte Anlage in einen Aktienfonds mit 100 % Aktienanteil konnte die ABC GmbH einen erheblichen Teil ihrer Kapitalerträge von der Steuer freistellen. Dies reduzierte die steuerliche Belastung der Investitionserträge und verbesserte die Gesamtrendite der Unternehmensinvestition.

Diese Fallbeispiele zeigen, wie durch die Nutzung der Teilfreistellung sowohl Privatanleger als auch Unternehmen ihre Steuerlast auf Kapitalerträge reduzieren und ihre Anlageziele effizienter erreichen können. Die strategische Auswahl der Investitionsvehikel und die Ausnutzung der steuerlichen Regelungen spielen dabei eine zentrale Rolle.

Fazit: Teilfreistellung bei Investmentfonds

Die Teilfreistellung bietet sowohl Privatanlegern als auch Unternehmen eine wertvolle Möglichkeit, die Steuerlast auf Erträge aus Investmentfonds zu reduzieren. Durch die gezielte Auswahl von Fonds, die bestimmte Kriterien erfüllen, können Anleger von signifikanten Steuervorteilen profitieren. Die Teilfreistellungssätze variieren je nach Art des Fonds und dessen Zusammensetzung, wobei höhere Freistellungen für Aktien- und Immobilienfonds angeboten werden. Dieses System motiviert zur Investition in bestimmte Wirtschaftsbereiche und unterstützt die Diversifizierung von Anlagen.

Zusammenfassung der wichtigsten Punkte:

  • Anwendungsbereich: Die Teilfreistellung gilt für Erträge aus Investmentfonds, die bestimmte Voraussetzungen erfüllen, insbesondere hinsichtlich der Zusammensetzung des Fonds.
  • Vorteile für Privatanleger und Unternehmen: Sowohl Privatanleger als auch Unternehmen können die Teilfreistellung nutzen, um ihre Steuerlast zu reduzieren, wobei die spezifischen Freistellungssätze je nach Anlegertyp und Fondsart variieren.
  • Strategische Überlegungen: Die Wahl der Investitionsstrategie und die Zusammensetzung des Portfolios sind entscheidend, um die Vorteile der Teilfreistellung optimal zu nutzen. Diversifikation und eine langfristige Anlagestrategie können die steuerlichen Vorteile maximieren.
  • Praktische Umsetzung: Durch gezielte Planung und Beratung können Anleger und Unternehmen die Komplexität der steuerlichen Regelungen meistern und die Teilfreistellung effektiv nutzen.

Ausblick und mögliche Änderungen:

Das Steuerrecht, insbesondere im Bereich der Kapitalanlagen, unterliegt kontinuierlichen Anpassungen und Reformen. Zukünftige Änderungen könnten sich auf die Rahmenbedingungen der Teilfreistellung auswirken, beispielsweise durch Anpassung der Freistellungssätze oder Änderung der Qualifikationskriterien für Investmentfonds. Zudem könnten neue steuerliche Anreize eingeführt werden, um Investitionen in bestimmte Sektoren oder nachhaltige Anlagen weiter zu fördern.

Anleger sollten daher stets auf dem Laufenden bleiben und ihre Anlagestrategie gegebenenfalls anpassen, um weiterhin von steuerlichen Vorteilen profitieren zu können. Die Inanspruchnahme professioneller Beratung kann dabei helfen, sowohl aktuelle Möglichkeiten optimal zu nutzen als auch auf zukünftige Entwicklungen vorbereitet zu sein.

Insgesamt bietet die Teilfreistellung ein wichtiges Instrument zur Steueroptimierung, dessen Potenzial durch strategische Planung und kontinuierliche Anpassung an sich ändernde Rahmenbedingungen voll ausgeschöpft werden kann.

Disclaimer: Haftungsausschluss und Notwendigkeit einer steuerlichen sowie rechtlichen Beratung

Der Inhalt dieses Blogbeitrags dient ausschließlich zu Informationszwecken und stellt keine steuerliche oder rechtliche Beratung dar. Die bereitgestellten Informationen sind mit größter Sorgfalt recherchiert und zusammengestellt, jedoch können weder der Autor noch der Betreiber dieser Website eine Gewährleistung für die Aktualität, Richtigkeit, Vollständigkeit oder Qualität der bereitgestellten Informationen übernehmen. Die Informationen können eine individuelle Beratung durch qualifizierte Fachpersonen nicht ersetzen.

Leserinnen und Leser werden nachdrücklich dazu aufgefordert, für steuerliche oder rechtliche Fragen, die sich aus ihren spezifischen Situationen ergeben, professionelle Beratung einzuholen. Jede Entscheidung, die auf der Grundlage der in diesem Blogbeitrag bereitgestellten Informationen getroffen wird, erfolgt ausschließlich auf eigenes Risiko. Der Autor und der Betreiber der Website haften nicht für Verluste oder Schäden, die direkt oder indirekt durch die Verwendung der bereitgestellten Informationen entstehen könnten.

Steuerliche Gesetze und Regelungen unterliegen kontinuierlichen Änderungen, die individuelle Auswirkungen haben können. Daher ist es entscheidend, aktuelle Entwicklungen zu berücksichtigen und bei Bedarf fachkundigen Rat einzuholen.

Durch die Nutzung dieses Blogbeitrags erkennen Sie diesen Haftungsausschluss an und stimmen zu, dass keine Berater-Klient-Beziehung zwischen Ihnen und dem Autor bzw. dem Betreiber der Website entsteht.

h_krischke
Author: h_krischke

Seit Oktober 2018 bin ich bei der DZ PRIVATBANK S.A. tätig, berate vermögende Privat- und Firmenkunden sowie Stiftungen auf die strategische und systematische Planung zur Verwaltung und Steigerung des Vermögens einer Person oder eines Unternehmens. Im Oktober 2021 habe ich das Netzwerk IFFUN UG - Informationen für Finanz- und Nachfolgeplanung gegründet, mit dem Ziel fachliche Impulsvorträge zur Wissensvermittlung zu ermöglichen. Seit Juni 2023 bin ich im FPSB Deutschland e.V. als Schatzmeister tätig und gemeinsam mit den Vorstandskollegen bestrebt, dem Ansehen der privaten Finanzplanung vermehrt Aufmerksamkeit zu ermöglichen.

Similar Posts

Schreiben Sie einen Kommentar

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert