Der einseitige Finanzplan: Fokussierte Beratung auf das Wesentliche

ZUSAMMENFASSUNG
Bei der Übergabe des “Finanzplans” haben die Berater ihren Kunden traditionell einen dicken, in Leder gebundenen, mit dem Firmenlogo geprägten, drei Zoll großen Ordner vorgelegt. Dies war nicht nur ein Instrument, um den Kunden “den Plan” zu präsentieren, sondern auch eine äußere Demonstration der umfassenden Analyse, die der Berater durchgeführt hat, um diesen Plan zu erstellen; eine physische Manifestation des “Wertes” des Beraters. Eine solche Fülle an sorgfältig zusammengestellten Informationen kann zwar hilfreich sein, hat aber auch ihre Nachteile. Denn in der Praxis kann der besonders gründliche Finanzplan den Kunden überfordern, wenn er ihn überhaupt öffnet. Und am Ende des Tages können tiefgreifende Finanzplanungsanalysen auch schnell veraltet sein. Um dieser Herausforderung zu begegnen, hat der Finanzberater und Guru der Kundenkommunikation Carl Richards vor einigen Jahren in seinem Buch The One-Page Financial Plan eine Alternative vorgeschlagen: Alle Informationen, die ein Kunde wissen muss, sollten stattdessen auf einer einzigen Seite zusammengefasst werden. Mit anderen Worten: Der Berater würde einfach einen einseitigen Finanzplan erstellen.

Es ist erwähnenswert, dass ein einseitiger Finanzplan (One-Page Financial Plan, OPFP) nicht bedeutet, dass es die Informationen in einem zentimetergroßen Aktenordner nicht gibt; der OPFP ist eine Alternative für eine zu liefernde Information, nicht eine Alternative zur Arbeit selbst. Es geht um die Unterscheidung zwischen dem, was ein Berater einem Kunden mitteilen könnte, und dem, was ein Kunde wissen muss (und wirklich wissen will?). Das bedeutet, dass es bei der Erstellung eines OPFP darum geht, den begrenzten Raum auf das zu konzentrieren, was der Kunde wirklich sehen und besprechen möchte.

Abgesehen von der Zeitersparnis, die sich daraus ergibt, dass kein so umfangreicher physischer Finanzplan erstellt werden muss, besteht einer der größten Vorteile des OPFP darin, dass er ein “lebendiger Plan” ist. Da die Erstellung eines herkömmlichen Finanzplans oft so langwierig und zeitaufwendig ist, aktualisieren ihn die meisten Unternehmen nur einmal alle paar Jahre. Im Gegensatz dazu kann der OPFP problemlos jedes Jahr oder sogar bei jedem Kontrollgespräch mit dem Kunden während des Jahres aktualisiert werden – was es dem Berater erleichtert, auf unvorhergesehene Umstände und Störungen (wie z. B. eine Pandemie!) zu reagieren. Anstatt auf die Veränderungen der letzten Jahre zu reagieren, kann der Berater den Plan proaktiv anpassen und aktualisieren, wenn das Leben sich ändert.

Da es sich bei dem OPFP um ein lebendes Dokument handelt, kann ein erster Entwurf erstellt werden, sobald ein Berater ein Gespräch mit einem neuen Kunden beginnt, indem er einfach die Standardwerkzeuge für Dokumente und Tabellen verwendet (z. B. Word und Excel in Microsoft oder Docs und Sheets in Google). Auch wenn sich der Plan in den ersten Wochen noch stark verändern wird, so bietet er doch einen Rahmen, den Berater und Kunde gemeinsam durcharbeiten können, um sich Klarheit zu verschaffen. Und wenn ein OPFP einmal verfeinert wurde und sowohl vom Berater als auch vom Kunden akzeptiert wird, kann er sogar zum Kernstück von Besprechungen werden, da beide Parteien sich einig sind, dass der OPFP die wichtigsten Informationen enthält, um fundierte Entscheidungen zu treffen.

Einen Finanzplan auf eine Seite zu reduzieren, mag anfangs eine schwierige Umstellung sein, aber es lohnt sich auf jeden Fall, da es eine zeit- und informationseffiziente Möglichkeit ist, dem Kunden zu zeigen, was er wissen muss. Viele Berater verfeinern ihre OPFP-Strategien im Laufe der Zeit und entscheiden sich für mehr Grafiken (die auf der Grundlage von Vorlagen erstellt werden, um sicherzustellen, dass sie leicht zu aktualisieren sind) oder bauen Automatisierungen ein, um den Plan noch einfacher zu erstellen und zu verstehen. Letztendlich ist der OPFP jedoch ein nützliches Instrument, um die beiden wichtigsten Fragen eines Kunden zu beantworten: “Geht es mir gut?” und “Was soll ich als nächstes tun?”. Die Bereitstellung einer zentralen Anlaufstelle zur Beantwortung dieser beiden Fragen spornt Kunden (und Berater!) dazu an, sich auf die richtigen Dinge zu konzentrieren – und gemeinsam daran zu arbeiten, die richtige Richtung einzuschlagen!

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