Ein Cyberangriff kann kleine Unternehmen ebenso treffen wie große Konzerne – und binnen kurzer Zeit den Geschäftsbetrieb lahmlegen. In einem Web-Seminar am 21. Oktober 2026 zeigten Nikolaus Stapels und Ingo Sterk, welche Risiken Unternehmen kennen sollten und wie Prävention und Versicherung ineinandergreifen können.
Der Angriff muss nicht gezielt sein. Häufig, so die Referenten, suchen automatisierte Systeme nach verwundbaren Zugängen, veralteter Software oder einfachen Passwörtern. Auch der Faktor Mensch spielt eine zentrale Rolle: Eine verdächtig wirkende E-Mail wird geöffnet, ein Link angeklickt oder ein privater Anhang an den Arbeitsplatz weitergeleitet. Stapels schilderte den Fall eines kleinen Handwerksbetriebs, dessen IT nach einem solchen Vorfall beeinträchtigt wurde. Der finanzielle Schaden habe bei rund 90.000 Euro gelegen.
Die Folgen reichen weit über verschlüsselte Dateien hinaus. Kriminelle kopieren Daten mitunter, bevor sie Systeme sperren, und drohen anschließend mit deren Veröffentlichung. Gestohlene Informationen können zudem für gezielte Betrugsversuche genutzt werden. Im Seminar wurde etwa beschrieben, wie manipulierte Zahlungsdaten dazu führen können, dass eine Überweisung auf einem falschen Konto landet. Für Unternehmen bedeutet ein Angriff deshalb nicht nur technische Arbeit, sondern möglicherweise auch Betriebsunterbrechung, Wiederherstellungskosten, Kundenkommunikation und Reputationsschäden.
Ein weiteres Risiko sind Geräte und Dienstleistungen, die im Sicherheitskonzept leicht übersehen werden: veraltete Webcams, smarte Geräte, Fernwartungszugänge oder externe IT- und Cloud-Dienstleister. Stapels betonte, dass Schutzmaßnahmen regelmäßig geprüft werden sollten. Dazu zählen aktuelle Software und Updates, sichere Zugänge, durchdachte Datensicherungen und eine klare Trennung von Netzwerken. Backups allein seien keine Garantie: Wenn Schadsoftware längere Zeit unbemerkt im System bleibt, können auch Sicherungskopien betroffen sein.
Sterk ordnete Cyberversicherungen als mögliche Ergänzung zur technischen Prävention ein. Je nach Tarif können sie etwa Forensik, Rechtsberatung, Krisenkommunikation, Datenwiederherstellung oder Kosten einer Betriebsunterbrechung abdecken. Auch Ansprüche Dritter können eine Rolle spielen. Entscheidend sei jedoch der Blick in die Versicherungsbedingungen: Leistungen, Sublimits, Selbstbehalte, Ausschlüsse und Sicherheitsanforderungen unterschieden sich. Eine Police ersetze weder Schutzmaßnahmen noch eine sorgfältige Prüfung der individuellen Risiken.
Hintergrund und Einordnung
Für Finanz- und Nachfolgeplanerinnen und -planer kann das Thema Teil der ganzheitlichen Unternehmensberatung sein. Ein Gespräch über wichtige Geschäftsprozesse – vom Auftragseingang bis zur Rechnungsstellung – hilft, mögliche Ausfallfolgen greifbar zu machen. Ebenso wichtig ist die Frage, wer im Ernstfall technische, rechtliche und kommunikative Unterstützung leisten kann. Das Seminar stellte Cyberrisiken damit nicht als reines IT-Thema, sondern als mögliche Belastung für Vermögen und Fortbestand eines Unternehmens dar.
Ausblick
Die Referenten empfahlen, Risiken systematisch zu erfassen, Zuständigkeiten zu klären und Versicherungsschutz nicht allein nach dem Preis auszuwählen. Für Beraterinnen und Berater kann ein erster Impuls im Kundengespräch der Beginn einer vertieften Risikoanalyse sein. Ein Risikofragebogen sowie die Präsentationsunterlagen sollen laut Veranstaltungsabschluss im IFFUN Wissenscampus bereitgestellt werden.