Grenzüberschreitende Steuergestaltung: Herausforderungen und Chancen für Finanz- und Nachfolgeplaner

In einer globalisierten Wirtschaft sind grenzüberschreitende finanzielle Aktivitäten üblich. Für Finanz- und Nachfolgeplaner bedeutet dies, dass sie sich nicht nur mit den Finanzvorschriften in ihrem Heimatland, sondern auch mit internationalen Steuervorschriften auseinandersetzen müssen.

Kontext:
Politik und Finanzverwaltung haben sich entschlossen, Steuervermeidungsstrategien, insbesondere grenzüberschreitende Steuergestaltungen, verstärkt in den Fokus zu nehmen. Ein treibender Faktor dabei sind Datenlecks, die den Behörden umfangreiche Möglichkeiten zur Datenauswertung bieten. Unternehmen, die international tätig sind, nutzen häufig legale Möglichkeiten im internationalen Steuerrecht, um ihre Steuerlast zu minimieren. Jedoch besteht ein schmaler Grat zwischen legaler Steueroptimierung und missbräuchlicher Gestaltung, was Gesetzgeber und Finanzverwaltung dazu veranlasst, Regelungslücken zu schließen und Daten auszuwerten.

Staatenwettbewerb und Steuergerechtigkeit:
Der Wettbewerb zwischen Staaten kann zu Gerechtigkeitsproblemen führen. Unternehmen können vorwiegend, die mobile Besteuerungsgüter wie Kapital in Niedrigsteuerländer verlagern, eine geringere Steuerlast haben als Unternehmen mit immobilien Besteuerungsgütern wie Arbeit. Dies, obwohl beide möglicherweise ähnliche staatliche Leistungen in Anspruch nehmen. Staaten können sich auch unkooperativ verhalten, indem sie bestimmte Privilegien gewähren oder internationale Steuergestaltung bzw. Steuerhinterziehung ermöglichen.

Datenaustausch zur Bekämpfung von Steuervermeidung:
Um Steuervermeidung zu bekämpfen und Steuerhinterziehung aufzudecken, werden Daten international ausgetauscht. Ein Beispiel ist das „Pandora Papers“ Datenleck, das umfangreiche Informationen über Steueroasen enthält. Hessens Finanzminister Michael Boddenberg betonte die Bedeutung des Datenaustauschs und sagte: „Wenn es Hinweise auf Steuerkriminalität gibt, gehen wir denen mit allen uns verfügbaren Mitteln nach“.

Compliance und Meldepflichten:
Unternehmen müssen zahlreiche Mitteilungs- und Erklärungspflichten beachten. Dazu gehört auch die Meldung von grenzüberschreitenden Steuergestaltungen an das Bundeszentralamt für Steuern, gemäß der DAC-6-Richtlinie der EU. Diese Regelung ermöglicht es der Steuerverwaltung und dem Gesetzgeber, Steuervermeidungspraktiken und Gewinnverlagerungen schnell zu erkennen und unerwünschte Gestaltungsspielräume zu verhindern.

Herausforderungen für Finanz- und Nachfolgeplaner:

  1. Erhöhte Transparenz: Die erhöhte Transparenz durch den internationalen Datenaustausch erfordert von Finanz- und Nachfolgeplanern, sorgfältiger denn je bei der Gestaltung von grenzüberschreitenden Finanzstrukturen zu sein.
  2. Komplexität der Compliance: Die Compliance mit einer wachsenden Anzahl von Meldepflichten und internationalen Steuervorschriften kann für Finanz- und Nachfolgeplaner zunehmend komplex und ressourcenintensiv sein.
  3. Reputation und Ethik: Es wird immer wichtiger, ethische Grundsätze zu berücksichtigen und darauf zu achten, dass Steueroptimierungsstrategien nicht nur legal, sondern auch ethisch vertretbar sind. Das Reputationsrisiko bei Nichtbeachtung kann erheblich sein.

Chancen für Finanz- und Nachfolgeplaner:

  1. Wertorientierte Beratung: Finanz- und Nachfolgeplaner haben die Möglichkeit, sich als wertorientierte Berater zu positionieren, die nicht nur die finanziellen Interessen ihrer Kunden im Blick haben, sondern auch ethische und gesellschaftliche Verantwortung.
  2. Expertenstatus: Durch das Erlangen von Fachwissen in internationalen Steuervorschriften und Compliance können sich Finanz- und Nachfolgeplaner als Experten auf ihrem Gebiet positionieren.
  3. Digitale Transformation: Die Nutzung von Technologien zur Vereinfachung der Compliance und zur effizienten Verwaltung von grenzüberschreitenden Finanzstrukturen kann ein Wettbewerbsvorteil sein.

Fazit:
Die Welt der grenzüberschreitenden Steuergestaltung ist im Wandel. Für Finanz- und Nachfolgeplaner bedeutet dies sowohl Herausforderungen als auch Chancen. Durch das Verständnis und die Anpassung an die sich ändernden regulatorischen Landschaften, das Einnehmen einer wertorientierten Beratungsposition und das Nutzen der digitalen Transformation können Finanz- und Nachfolgeplaner in dieser dynamischen Umgebung erfolgreich agieren.

Bitte beachten Sie, dass dieser Artikel Informationszwecken dient und keine rechtliche oder finanzielle Beratung darstellt. Es wird empfohlen, bei spezifischen Fragen einen Fachmann zu konsultieren.

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h_krischke
Author: h_krischke

Seit Oktober 2018 bin ich bei der DZ PRIVATBANK S.A. tätig, berate vermögende Privat- und Firmenkunden sowie Stiftungen auf die strategische und systematische Planung zur Verwaltung und Steigerung des Vermögens einer Person oder eines Unternehmens. Im Oktober 2021 habe ich das Netzwerk IFFUN UG - Informationen für Finanz- und Nachfolgeplanung gegründet, mit dem Ziel fachliche Impulsvorträge zur Wissensvermittlung zu ermöglichen. Seit Juni 2023 bin ich im FPSB Deutschland e.V. als Schatzmeister tätig und gemeinsam mit den Vorstandskollegen bestrebt, dem Ansehen der privaten Finanzplanung vermehrt Aufmerksamkeit zu ermöglichen.

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