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  • Henning Krischke
  • 1. April 2026

Was die Commerzbank Anlagestudie 2026 für Family Offices bedeutet

  • 4 Min. Lesezeit
  • Finanzplanung
NEWS in Holzbuchstaben auf Tisch
Was die Commerzbank Anlagestudie 2026 für Family Offices bedeutet

48 % versus 33 % – Eine Zahl, die strategisches Umdenken erfordert

Die aktuelle Commerzbank Anlagestudie 2026 liefert eine Erkenntnis, die für Family Offices und Vermögensberater von zentraler Bedeutung ist: 48 % der Generation Z besitzen Wertpapiere, während es bei den Baby Boomern lediglich 33 % sind. Diese 15 Prozentpunkte Unterschied sind mehr als eine statistische Auffälligkeit – sie markieren einen fundamentalen Paradigmenwechsel in der deutschen Anlagekultur.

Die Studie, durchgeführt von Ipsos im dritten und vierten Quartal 2025 mit 3.203 Befragten, zeichnet das Bild zweier paralleler Welten beim Vermögensaufbau. Für strategische Nachfolgeplanung ergeben sich daraus konkrete Handlungsnotwendigkeiten.

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Das deutsche Spar-Paradox: Viel Disziplin, wenig Rendite

Deutschland bleibt eine Nation der Sparer. 72 % der Bevölkerung legen regelmäßig Geld zurück – ein beachtlicher Wert, der Disziplin und Vorsorgebewusstsein unterstreicht. Doch nur 40 % investieren in Wertpapiere. Die Mehrheit setzt nach wie vor auf Tagesgeld und konservative Sparprodukte, deren reale Rendite durch Inflation oft negativ ausfällt.

Dieses strukturelle Paradox – hohe Sparquote bei gleichzeitiger Investitionszurückhaltung – prägt seit Jahrzehnten die deutsche Finanzkultur. Doch die junge Generation bricht mit diesem Muster.


Baby Boomer: Sicherheit als oberste Prämisse

Die Generation der Baby Boomer hat einen Großteil des heutigen Vermögens aufgebaut. Ihr Ansatz war erfolgreich, folgt jedoch einer klar konservativen Logik:

  • 33 % Wertpapierbesitz – deutlich unter dem Bundesdurchschnitt von 40 %
  • Unter 30 Minuten pro Woche für Finanzthemen
  • Präferenz für Tagesgeld und klassische Sparprodukte

Diese Haltung spiegelt die Prägung durch Wirtschaftskrisen, Börsencrashs und ein tief verwurzeltes Misstrauen gegenüber Kapitalmärkten wider. Stabilität, Planbarkeit und der Erhalt des Bestehenden stehen im Vordergrund.


Generation Z: Digital, aktiv, selbstbestimmt

Die Erbengeneration verfolgt einen radikal anderen Ansatz:

  • 48 % Wertpapierbesitz – höchster Wert über alle Altersgruppen
  • 1–2 Stunden pro Woche Zeitinvestment für Finanzbildung (40 % der Gen Z)
  • 82 % Sparquote – höchste Disziplin aller Generationen
  • 55 % nutzen ETFs als bevorzugtes Anlageprodukt

Generation Z ist digital sozialisiert, nutzt Finanz-Apps, YouTube-Tutorials und Social-Media-Kanäle für Finanzbildung. Renten-Skepsis treibt die Selbstverantwortung an. Exchange Traded Funds werden nicht als Nischenprodukt, sondern als Standard betrachtet.


Der ETF-Boom: Strukturwandel statt Modeerscheinung

Die Studie dokumentiert einen bemerkenswerten Strukturwandel:

  • ETF-Anteil unter Wertpapierbesitzern: 40 % (2024) → 50 % (2026)
  • Wertpapierbesitzer insgesamt: 35 % (2024) → 40 % (2026)

Generation Z ist Trendsetter dieses Wandels. Passive, kosteneffiziente und transparente Anlagestrategien setzen sich durch – angetrieben von digitalen Plattformen, niedrigen Einstiegshürden und einem grundlegend veränderten Verständnis von Vermögensaufbau.

Dieser Trend erfasst mittlerweile alle Altersgruppen. Der ETF-Boom ist kein kurzfristiges Phänomen, sondern Ausdruck eines langfristigen Mentalitätswandels.


Implikationen für Family Offices und Vermögensberatung

Für Family Offices ergeben sich aus diesen Daten vier zentrale Handlungsfelder:

1. Digital & selbstbestimmt

Die Erbengeneration erwartet digitale Tools, Echtzeitinformationen und die Möglichkeit zur eigenverantwortlichen Verwaltung von Teilportfolios. Klassische Beratungsmodelle mit quartalsweisen Gesprächen reichen nicht mehr aus.

2. ETF-affin & kostenorientiert

Hohe Verwaltungsgebühren und intransparente Kostenstrukturen stoßen auf Ablehnung. ETFs werden als kosteneffiziente, diversifizierte und transparente Alternative geschätzt. Vermögensberater müssen diese Präferenz ernst nehmen und in die Gesamtstrategie integrieren.

3. Aktives Engagement erwarten

Passive Vermögensverwaltung wird abgelehnt. Die nächste Generation möchte in Entscheidungen einbezogen werden, ESG-Kriterien berücksichtigt sehen und Impact Investing als Option haben.

4. Transparenz als Standard

Vollständige Offenlegung aller Informationen, Performance-Daten und Entscheidungsgrundlagen wird vorausgesetzt. Vertrauen entsteht durch Nachvollziehbarkeit, nicht durch Komplexität.


Fazit: Vermögensberatung muss sich neu erfinden

Die Commerzbank Anlagestudie 2026 liefert keine Überraschungen für aufmerksame Beobachter – aber sie quantifiziert den Wandel präzise. 48 % versus 33 % ist mehr als eine Statistik. Es ist die Dokumentation eines Generationenwechsels, der strategische Konsequenzen für Familienvermögen hat.

Nachfolgeplanung bedeutet künftig auch, unterschiedliche Anlageüberzeugungen zu verstehen und zu integrieren. Vermögensberatung muss sich von reiner Vermögensverwaltung hin zu einem technologiegestützten, partnerschaftlichen und werteorientierten Modell entwickeln.

Family Offices, die diesen Wandel proaktiv gestalten, werden die Erbengeneration langfristig binden können. Wer jedoch an traditionellen Strukturen festhält, riskiert Relevanz und Vertrauen bei der nächsten Generation.


Über die Studie:
Commerzbank Anlagestudie 2026 „So investiert Deutschland”, durchgeführt von Ipsos, Q3/Q4 2025, n = 3.203 Befragte

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