Die Vorinstanz ist das Gericht, das in einem Gerichtsverfahren eine Entscheidung in der ersten Instanz oder in einer vorherigen Instanz getroffen hat, bevor der Fall in eine höhere Instanz geht. Sie bildet somit die Grundlage für eine mögliche Überprüfung durch ein höheres Gericht, das in einem Rechtsmittelverfahren (z. B. Berufung oder Revision) angerufen wird.
Beispiele für Vorinstanzen im deutschen Rechtssystem:
- Amtsgericht als Vorinstanz:
- In vielen Zivil- und Strafverfahren ist das Amtsgericht die erste Instanz, die eine Entscheidung trifft. Es handelt sich dabei um die sogenannte Erstinstanz.
- Wenn eine Partei mit dem Urteil des Amtsgerichts nicht einverstanden ist, kann sie Berufung beim Landgericht einlegen. In diesem Fall ist das Amtsgericht die Vorinstanz.
- Landgericht als Vorinstanz:
- In komplexeren Zivil- und Strafverfahren, bei denen das Landgericht die Erstinstanz ist, wird das Landgericht zur Vorinstanz, wenn der Fall in die Berufung oder Revision geht.
- Gegen erstinstanzliche Urteile des Landgerichts kann bei Zivilsachen Berufung beim Oberlandesgericht (OLG) eingelegt werden. In Strafsachen erfolgt die Revision beim Bundesgerichtshof (BGH). In beiden Fällen ist das Landgericht die Vorinstanz.
- Oberlandesgericht (OLG) als Vorinstanz:
- In bestimmten Fällen, insbesondere bei höherwertigen Zivilsachen oder Berufungen in Strafverfahren, kann das Oberlandesgericht die Vorinstanz sein. Es entscheidet dann entweder als Berufungsgericht über Urteile des Landgerichts oder als Erstinstanz in besonderen Fällen.
- Eine Revision gegen Entscheidungen des OLG kann beim Bundesgerichtshof eingelegt werden, wodurch das OLG zur Vorinstanz wird.
Rechtsmittel und die Rolle der Vorinstanz:
- Bei der Einlegung von Rechtsmitteln wie Berufung oder Revision wird das Urteil der Vorinstanz durch das übergeordnete Gericht überprüft. In der Berufung werden sowohl die rechtlichen als auch die tatsächlichen Grundlagen des Urteils der Vorinstanz geprüft. In der Revision hingegen wird nur die Rechtsanwendung der Vorinstanz untersucht.
Ziel der Überprüfung der Vorinstanz:
- Die Überprüfung der Vorinstanz durch ein höheres Gericht dient dazu, Fehler in der Rechtsanwendung oder Tatsachenfeststellung zu korrigieren und sicherzustellen, dass das Urteil gerecht und korrekt ist.
Zusammengefasst bezeichnet die Vorinstanz das Gericht, das eine Entscheidung getroffen hat, bevor diese durch ein höheres Gericht in einer Rechtsmittelinstanz überprüft wird.