1. Kurz zur Woche
Die erste volle Woche des Jahres war geprägt von einer spürbaren Nüchternheit. Während die Aktienmärkte noch keine klare Richtung gefunden haben, stand in den Mandantengesprächen weniger die Rendite-Erwartung im Vordergrund, sondern das Sicherheitsbedürfnis. Der Januar beginnt nicht mit Gier, sondern mit der Frage nach dem langfristigen Erhalt der Substanz.
2. Steuer & Recht ⚖️
Thema: Das „Zehn-Jahres-Fenster“ öffnet sich (Schenkungen 2016–2026)
Viele vermögende Mandanten haben die Niedrigzinsphase 2015/2016 genutzt, um Vermögen auf die nächste Generation zu übertragen. Diese persönlichen Freibeträge (§ 16 ErbStG) leben jetzt, Anfang 2026, wieder auf. Wer hier nicht aktiv prüft, verschenkt wertvolles Volumen für die nächste Tranche.
Merksatz: Die Überwachung der steuerlichen 10-Jahres-Frist ist keine Holschuld des Mandanten, sondern eine Bringschuld des strategischen Beraters.
3. Nachfolge & Family Governance 🌳
Thema: Der „Weihnachts-Effekt“ in der Nachfolge
In vielen Unternehmerfamilien wurde über die Feiertage erstmals offen über die Übergabe gesprochen – oft mit ernüchternden Ergebnissen (Konflikte, Desinteresse der Enkel). Mandanten kommen in diesen Tagen oft emotional aufgewühlt in die Beratung. Hier sind jetzt keine Produkte gefragt, sondern Moderation.
Prüfimpuls für die nächste Woche:
Fragen Sie im nächsten Termin nicht mechanisch „Wie lief das Jahr?“, sondern: „Gab es über die Feiertage neue Erkenntnisse zur Rolle Ihrer Kinder im Familienvermögen?“
4. Praxis & Beratung ⚙️
Thema: Liquiditätsfalle beim Jahresstart-Rebalancing
Viele Berater schichten im Januar Portfolios um, um die Strategische Asset Allokation (SAA) wiederherzustellen. Dabei wird oft der massive Liquiditätsabfluss im Q1 vergessen (Einkommensteuervorauszahlungen, private Entnahmen nach dem Urlaub).
Was Berater nächste Woche tun sollten:
Vor jedem Kaufauftrag die Liquiditätsplanung für das laufende Jahr aktualisieren. Erst die Verbindlichkeiten decken, dann die Investment-Quote korrigieren.
5. Aktuelle Fundstücke aus dem Netz 🌐
Hier sind zwei Quellen, die helfen, die aktuelle Stimmung der Mandanten strategisch einzuordnen:
Psychologie: „Warum die Next Gen den Berater wechselt“
Die Datenlage ist stabil: Über 70 % der Erben wechseln nach dem Vermögensübergang die Bankverbindung. Der Capgemini World Wealth Report zeigt, dass dies selten an der Performance liegt, sondern an fehlender emotionaler Bindung. 👉 Zur Studie (Capgemini)
Struktur: „Familienstiftung – mehr als Steuern sparen“
Die Stiftung bleibt ein dominierendes Gestaltungsinstrument für den Zusammenhalt des Familienvermögens. Dieser Beitrag ordnet ein, warum der Aspekt des „Asset Protection“ für Unternehmer oft wichtiger ist als der steuerliche Vorteil. 👉 Zum Artikel (Stiftungsmarktplatz)
6. Ein Satz zum Mitnehmen
Rendite beruhigt den Mandanten heute – Struktur sichert die Familie morgen.
Henning Krischke