Wie viel Integrität verträgt die Finanzberatung – und wie viel braucht sie? Beim jüngsten Web-Seminar des IFFUN, stellten Janko Laumann und Henning Krischke diese Frage in den Mittelpunkt einer knapp dreistündigen Veranstaltung. Das Ergebnis: Ethik ist kein Luxus, sondern Grundvoraussetzung für nachhaltigen Beratungserfolg.
Unter dem Titel „Standesregeln FPSB – Beratung neu denken: Ethik und Praxis im Einklang” diskutierten rund 30 Teilnehmende am 5. Mai 2026 die Frage, was ethisch-moralisch einwandfreies Verhalten in der Finanzberatung konkret bedeutet – und wo die Grenzen zwischen rechtlich erlaubt und moralisch vertretbar verlaufen.
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Weitere InformationenVertrauen als fragiles Gut
Janko Laumann, langjähriger Referent im FPSB-Umfeld, eröffnete das Seminar mit einer provokanten Bestandsaufnahme: Das Image der Finanzbranche sei trotz aller Reformversprechen nach der Finanzkrise 2008 kaum besser geworden. ChatGPT beschreibe Banker heute als „bedingt kompetent und bedingt vertrauenswürdig”. Kein Befund, der sich wegdiskutieren lasse.
Laumann verwies auf wissenschaftliche Studien, die zeigen, wie stark Umfeld und Kontext unser moralisches Verhalten beeinflussen: Ein Spiegel an der Kaffeemaschine senkt Kassenfehlbestände. Helle Räume reduzieren Betrug bei Versicherungsformularen. Der Schluss daraus sei eindeutig: „Ethisches Verhalten entsteht nicht aus dem Nichts, es braucht einen Rahmen.” Genau diesen Rahmen schaffe der FPSB mit seinen Standesregeln.
Die acht Ethikregeln als Kompass
Henning Krischke, Senior Wealth Planner und Vorstandsmitglied des FPSB Deutschland, führte die Teilnehmenden durch die acht Ethikregeln des Verbandes: Vorrang des Kundeninteresses, Integrität, Objektivität, Fairness, Professionalität, Kompetenz, Vertraulichkeit und Sorgfalt. Diese Regeln gingen bewusst über gesetzliche Mindestanforderungen hinaus – und darin liege ihre eigentliche Stärke.
Anhand der fiktiven Beraterin Luisa Z. und ihrer Klientenfamilie wurden die Regeln lebendig. Darf Luisa an einer dreitägigen Einladungsreise eines Produktanbieters nach Paris teilnehmen, wenn das Bildungsprogramm nur acht Stunden umfasst? Soll sie Vermögenswerte aus der Bilanz weglassen, weil ihr Kunde es so wünscht? Darf sie bei einem Burnout trotzdem einen dringenden Beratungstermin wahrnehmen? Die Antworten der Teilnehmenden waren in den meisten Fällen klar – und belehrend zugleich.
KI, Zielvorgaben und die Grauzone
Ein besonderes Augenmerk legten beide Referenten auf die Spannung zwischen Ethikregeln und institutionellen Absatzzielen. „Die Ethikregeln des FPSB stehen höher als Vertriebsvorgaben”, sagte Krischke – und räumte ein, dass die praktische Durchsetzung in angestellten Verhältnissen schwierig bleibt. Auch der Einsatz von Künstlicher Intelligenz in der Beratung wurde kritisch beleuchtet: Wer KI-Ergebnisse nicht fachlich bewerten könne, solle sie nicht einsetzen. Kompetenz lasse sich nicht auslagern.
Einordnung und Ausblick
Das Seminar steht exemplarisch für den Anspruch des FPSB Deutschland, Ethik nicht als abstraktes Ideal, sondern als gelebte Praxis zu verankern. Dass die Branche strukturell anfällig für unmoralisches Verhalten ist, belegen nicht nur Cum-Ex-Skandale und Greenwashing-Affären, sondern auch die experimentelle Verhaltensforschung. Die Botschaft des Tages war einfach und eindeutig: Wer im Interesse seiner Kunden handeln will, muss bereit sein, den einfachen Weg zu verlassen.

Infokasten: Die Standesregeln des FPSB Deutschland gelten für alle Zertifikatsträger (CFP, EFA, CGA, CFEP). Sie werden durch den Verbandsvorstand überwacht. Verstöße können zu Ehrengerichtsverfahren führen. Mehr unter: [fpsb.de](https://www.fpsb.de)