
Einleitung (Lead):
Am 9. Juli diskutierte das IFFUN-Netzwerk in einer digitalen Veranstaltung über die Zukunft der Präsentationskultur. Impulsgeber war Tom Schweitzer von PresentationLoad, der Einblick in aktuelle Gestaltungsprinzipien und Denkfehler im PowerPoint-Alltag gab. Sein Anliegen: Schluss mit überladenen Folien – hin zu klarer Dramaturgie, visueller Klarheit und strategischem Zielbewusstsein.
Weniger Text, mehr Wirkung
„PowerPoint wurde lange Zeit wie Word missbraucht“, stellte Schweitzer gleich zu Beginn klar. In seinem Vortrag seziert er gängige Fehler in der Unternehmenskommunikation: zu viel Text, zu viele Animationen, zu wenig Struktur. Stattdessen plädiert er für einen Perspektivwechsel. Die Folie sei nicht das Zentrum – der Redner sei es.
Das Publikum erlebte kein Theorieseminar, sondern einen Praxisdialog. In Echtzeit demonstrierte Schweitzer, wie sich auch komplexe Inhalte durch Spaltenstruktur, gezielte Gruppierung und sparsame Animation in eine lesbare und überzeugende Form bringen lassen. Seine Leitidee: Inhalte gehören reduziert, visualisiert und mit klarer Zielorientierung versehen.
Zitat:
„Wenn PowerPoint zum Textfriedhof wird, verliert nicht nur die Präsentation an Wirkung – sondern auch der Mensch dahinter.“
Interaktiv, praxisnah, ohne Marketing-Show
Ungewöhnlich für ein Onlineformat: Die Teilnehmenden wurden kontinuierlich eingebunden. Sie nannten live ihre schlimmsten PowerPoint-Erlebnisse („Textwüste“, „Tabellenbilanz“, „betreutes Lesen“) und diskutierten Grenzwerte für Bulletpoints. Die Mehrheit war sich einig: Zwei bis fünf Kernaussagen pro Folie sind ausreichend – alles darüber erzeugt kognitive Überlast.
Spannend auch der kritische Blick auf die oft unterschätzte Schlussfolie: „‚Vielen Dank für Ihre Aufmerksamkeit‘ ist keine Strategie“, so Schweitzer. Statt Floskeln empfiehlt er einen klaren Handlungsimpuls – etwa: „Was ist der nächste Schritt?“, „Welche Entscheidung steht an?“
Hintergrund: Präsentation als strategisches Werkzeug
Tom Schweitzer kennt die Praxis. Seit mehr als zwei Jahrzehnten entwickelt er Präsentationen für Unternehmen, Verbände und öffentliche Institutionen. Mit seinem Unternehmen PresentationLoad hat er ein Framework geschaffen, das visuelle Standards mit dramaturgischem Aufbau kombiniert. Präsentation ist für ihn kein Selbstzweck – sondern ein Mittel, um Menschen zu überzeugen, Entscheidungen vorzubereiten und komplexe Sachverhalte klar zu kommunizieren.
Teil der Veranstaltung war auch ein kostenloses Canvas-Modell zur Präsentationsvorbereitung – ein strukturierter Leitfaden, der Fragestellungen wie Ziel, Zielgruppe, Botschaft und erwartete Handlung systematisch verknüpft.
Ausblick: Vom Foliendesign zur Kommunikationskultur
Die IFFUN-Veranstaltung war mehr als eine technische Einführung. Sie war ein Plädoyer für Haltung in der Kommunikation: Wer verstanden werden will, muss reduzieren können. Wer überzeugen will, muss visuell führen. Wer Wirkung erzeugen will, muss wissen, was er am Ende erreichen möchte.
Im Herbst geht die Veranstaltungsreihe weiter – mit dem Fokus auf digitale Mandantenkommunikation und strategische Gesprächsführung. Klar ist: Wer Präsentationen nicht als Nebenprodukt, sondern als zentrales Führungsinstrument versteht, gewinnt mehr als Aufmerksamkeit.
Infokasten: Die fünf Kernbotschaften des Vortrags
- Klare Zielsetzung schlägt Design-Spielerei.
- Eine Botschaft pro Folie genügt.
- Spaltenstruktur ersetzt Bulletpoints.
- Die Folie dient dem Redner, nicht umgekehrt.
- Schlussfolie ist kein Abspann, sondern Einladung zur Entscheidung.