Die vergangene Woche brachte wichtige Signale für Finanz- und Nachfolgeplaner: Das ifo-Geschäftsklima verharrt im Tiefkeller, während die SPD ihr Erbschaftsteuerkonzept konkretisiert. Gleichzeitig zeigen neue Analysen zu den EU-Fiskalregeln den enormen Konsolidierungsdruck auf Deutschland bis 2029. Was bedeutet das für unsere tägliche Beratungspraxis?
Markt & Makro: Stillstand mit Folgen
Das ifo-Geschäftsklima blieb im Januar unverändert bei 87,6 Punkten – nahe dem Tief seit Mai 2025. Besonders bemerkenswert: Die Aufbruchstimmung im Unternehmenssektor bleibt komplett aus. Analysten sprechen von einem Jahresstart “ohne Schwung”.
Für die Beratungspraxis bedeutet das:
- Keine akute Krise, aber auch kein Aufbruch – ein idealer Zeitpunkt, um mit Mandanten über die Resilienz ihrer Geschäftsmodelle zu sprechen
- Investitionen sollten selektiv priorisiert werden, Liquidität und Covenants gehören verstärkt in den Blick
- Stressszenarien (Zinsen, Nachfrage, Löhne) werden relevanter denn je
Die Sektorenentwicklung zeigt ein gemischtes Bild: Während sich die Stimmung bei Industrie, Handel und Bau leicht verbessert, werden Dienstleister pessimistischer. Das ermöglicht sehr konkrete, branchenspezifische Beratungsansätze.
Parallel dazu warnen Analysen vor strukturellen Finanzierungslücken von rund 130 Mrd. Euro bis 2029, falls Deutschland die neuen EU-Fiskalregeln einhalten will. Für vermögende Privatkunden signalisiert das langfristig wachsenden fiskalischen Druck – eine wichtige Frage für die “Steuerrobustheit” heutiger Strukturen.
Erbschaftsteuer: Konzept statt Panik
Die SPD hat ihr Erbschaftsteuerkonzept “FairErben” konkretisiert. Die Kernpunkte:
- Personenbezogener Freibetrag von rund 1 Mio. Euro je Erwerber
- Einheitlich progressiver Tarif
- Abschaffung vieler Gestaltungsmodelle (z.B. Kettenschenkungen)
- Deutlich reduzierte Verschonungsregeln für große Unternehmensvermögen
- Stundungen bis 20 Jahre statt Steuerfreiheit
Wichtig für die Mandantenkommunikation: Es handelt sich ausdrücklich nur um ein SPD-Konzept – kein Regierungs- oder Gesetzesentwurf, ohne Zeitplan und ohne Kabinettsbeschluss.
Beratungsansatz:
- Kein Panikmodus, sondern strukturierte Szenarioarbeit
- “Falls die Linie so kommt, dann…” – konkrete Alternativen durchspielen
- Vorziehen von Übertragungen prüfen, aber nicht überstürzen
- Stiftungen und andere Strukturen als Governance-Instrumente positionieren
Die Entscheidung des Bundesverfassungsgerichts zur aktuellen Erbschaftsteuer wird eher “im Laufe des Jahres 2026” erwartet. Das gibt Raum für durchdachte Planung statt Aktionismus.
Unternehmensnachfolge: Unsicherheit als Chance
Die anhaltend flache Stimmungslage verstärkt bei vielen Mittelständlern die Tendenz, Nachfolgeentscheidungen hinauszuschieben. Genau hier liegt unsere Chance als Berater: Unsicherheit ist ein Argument für solide, flexible Nachfolgegestaltung – nicht für Stillstand.
Die Erbschaftsteuerdebatte erzeugt einen “sanften Zeitdruck” in Unternehmerfamilien. Viele fragen sich, ob sie Übertragungen noch nach aktuellem Recht vorziehen sollten. Das ist ein idealer Gesprächsanlass für strukturierte Szenario-Sessions mit konkreten Zahlen.
Trend der Woche: Familienverfassungen, Gesellschaftervereinbarungen und Testamente werden vermehrt auf Aktualität geprüft. Ein perfekter Benchmark für Mandantengespräche: “Viele Ihrer Peers nutzen 2026, um die Spielregeln der Familie zu aktualisieren.”
Family Office: Struktur vor Steueroptimierung
Im Kontext der möglichen Erbschaftsteuerreform rücken Familienstiftungen, Familienpools und Holdingstrukturen stärker in den Fokus – weniger als “Steuerspartrick”, mehr als Governance- und Bündelungsinstrument.
Neue Beratungsansätze:
- Struktur als Instrument für Ordnung, Nachfolge und Konfliktvermeidung positionieren
- Steuer-Risiko-Register aufsetzen und alle Strukturen bis 2030 gegen verschärfte Annahmen testen
- Integriertes Reporting und Liquiditätsplanung stärken – gerade bei illiquiden Assets
Die eher gedämpfte Unternehmensstimmung macht illiquide Assets riskanter, wenn Family Offices keine sauberen Cashflow- und Reportingstrukturen haben. Der Hebel: “Wie stellen wir sicher, dass Sie im Abschwung nicht zu schlechten Preisen verkaufen müssen?”
Zukunftstrend: AI-gestützte Szenarien werden zum festen Bestandteil der Family-Office-Governance. Daten- und Szenario-Tools machen politische Unsicherheit greifbar und planbar.
Drei Gedanken für die kommende Woche
1. Konjunktur ohne Schwung ist kein Grund für den Wartemodus – sondern der ideale Zeitpunkt für strukturierte Nachfolge- und Vermögensplanung.
2. Erbschaftsteuerreform: In Szenarien denken statt auf Schlagzeilen warten. Mandanten schätzen durchdachte Alternativen mehr als Panikreaktionen.
3. Fiskalischer Druck bis 2029: Was der Konsolidierungsbedarf von 130 Mrd. Euro für Holdings, Stiftungen und Family Offices wirklich bedeutet, wird die Beratung der nächsten Jahre prägen.
Diese Wochenendlektüre basiert auf aktuellen Marktdaten und Fachpublikationen. Alle Angaben ohne Gewähr.