Die Trennung oder Scheidung eines Ehepaares stellt nicht nur eine emotionale Herausforderung dar, sondern hat auch erhebliche finanzielle und nachfolgeplanerische Konsequenzen. Finanz- und Nachfolgeplaner müssen in solchen Situationen nicht nur Vermögenswerte korrekt aufteilen, sondern auch die steuerlichen und rechtlichen Rahmenbedingungen berücksichtigen. In diesem Beitrag gehen wir auf die wichtigsten Punkte ein, die Berater beachten sollten.
1. Vermögensaufteilung: Zugewinn, Güterstände und Unternehmensbeteiligungen
Je nach gewähltem Güterstand unterscheidet sich die Vermögensaufteilung im Scheidungsfall erheblich:
- Zugewinngemeinschaft (Regelfall in Deutschland): Der während der Ehe erwirtschaftete Zugewinn wird zwischen den Ehepartnern ausgeglichen.
- Gütertrennung: Jeder Ehepartner behält sein eigenes Vermögen ohne Zugewinnausgleich.
- Gütergemeinschaft: Das gesamte Vermögen der Ehegatten wird gemeinschaftlich verwaltet und muss entsprechend aufgeteilt werden.
Praxisbeispiel:
Ein Unternehmer gründet während der Ehe eine GmbH. Bei einer Scheidung im Güterstand der Zugewinngemeinschaft muss der Wertzuwachs der Unternehmensanteile berücksichtigt und gegebenenfalls ein finanzieller Ausgleich gezahlt werden. Dies kann zu Liquiditätsproblemen führen, wenn nicht frühzeitig Regelungen getroffen werden.
Tipp: Eheverträge können frühzeitig klare Regelungen für den Fall einer Trennung oder Scheidung enthalten, um Streitigkeiten zu vermeiden.
2. Erbrechtliche und Nachfolgefragen nach der Scheidung
Nach einer rechtskräftigen Scheidung erlischt in der Regel das gesetzliche Erbrecht des früheren Ehepartners. Dennoch gibt es Fälle, in denen trotz Trennung Nachlassfragen relevant bleiben:
- Testamente und Erbverträge: Diese bleiben nach einer Scheidung bestehen, sofern sie nicht aktiv widerrufen oder geändert wurden.
- Unternehmensnachfolge: Falls einer der Ex-Partner Teilhaber eines Familienunternehmens ist, muss geklärt werden, ob und wie die Beteiligung übertragen oder bewertet wird.
Praxisbeispiel:
Ein Ehepaar hat sich in einem gemeinschaftlichen Testament als Alleinerben eingesetzt. Nach der Scheidung wird das Testament nicht geändert, sodass im Todesfall der Ex-Partner möglicherweise weiterhin erbberechtigt bleibt.
Tipp: Nach einer Trennung sollten bestehende Testamente und Vollmachten überprüft und gegebenenfalls angepasst werden.
3. Steuerliche Auswirkungen einer Scheidung
Die steuerliche Situation verändert sich nach einer Trennung erheblich:
- Ehegattensplitting entfällt: Ab dem Jahr nach der Trennung muss jeder Partner individuell veranlagt werden.
- Scheidungskosten sind steuerlich nicht absetzbar: Seit 2013 sind Anwalts- und Gerichtskosten nicht mehr als außergewöhnliche Belastungen anrechenbar.
- Versorgungsausgleich und steuerliche Folgen: Übertragene Rentenanwartschaften können steuerliche Konsequenzen haben, z. B. in der Einkommensteuer oder Erbschaftsteuer.
Praxisbeispiel:
Ein Ehepaar trennt sich im Juni 2024. Bis Ende des Jahres können sie noch gemeinsam veranlagt werden, falls sie dies beantragen. Ab 2025 erfolgt eine Einzelveranlagung, was die Steuerlast erhöhen kann.
Tipp: Eine steuerliche Planung im Vorfeld kann helfen, steuerliche Nachteile zu minimieren.
4. Checkliste: Finanzielle und rechtliche Schritte bei Trennung und Scheidung
Schritt | Erklärung | Rechtliche Quelle |
---|---|---|
Güterstand klären | Zugewinngemeinschaft, Gütertrennung oder Gütergemeinschaft | BGB §1363–1368 |
Ehevertrag prüfen | Gibt es Regelungen zur Vermögensaufteilung? | BGB §1408 |
Vermögensaufstellung | Inventar aller Vermögenswerte erstellen | Keine gesetzliche Regelung, aber empfehlenswert |
Testamente anpassen | Bestehende Regelungen überprüfen | BGB §2077 |
Unternehmensbeteiligungen | Bewertung und Übertragung regeln | Keine spezifische Regelung, steuerliche Beratung erforderlich |
Steuerliche Auswirkungen prüfen | Ehegattensplitting, Unterhaltspflichten | EStG §26 |
Versorgungsausgleich berechnen | Rentenanwartschaften und deren Übertragung | VersAusglG |
Sorgerecht und Unterhalt | Falls Kinder betroffen sind, Regelungen treffen | BGB §1601 ff. |
Fazit
Trennung und Scheidung sind nicht nur emotional, sondern auch finanziell und rechtlich komplex. Eine vorausschauende Planung durch Finanz- und Nachfolgeplaner kann Mandanten helfen, unnötige finanzielle Verluste zu vermeiden und die Nachfolge klar zu regeln. Besonders die Überprüfung von Testamenten, Eheverträgen und steuerlichen Aspekten sollte frühzeitig erfolgen, um rechtliche Fallstricke zu umgehen.
Das war der erste Beitrag dieser neuen wöchentlichen Reihe. Falls du Ergänzungen oder Änderungen möchtest, gib mir Bescheid!