Künstliche Intelligenz verändert das Finanzwesen in rasantem Tempo. Doch der eigentliche Hebel liegt nicht allein in neuen Modellen und Tools. Entscheidend ist, wie Organisationen Prozesse, Menschen und Technologie zusammendenken. Das wurde im IFFUN-Web-Seminar mit KI-Experte Dr. Peter Schopf deutlich.
Ob automatisierte Recherchen, intelligente Assistenten oder strategische Analysen: Künstliche Intelligenz hat das Potenzial, Banken, Versicherungen und Finanzberater grundlegend zu verändern. Dr. Peter Schopf, Wirtschaftsinformatiker und Berater mit langjährigem Industriehintergrund, zeigte, dass insbesondere generative KI neue Spielräume eröffnet. Anders als klassische KI, die auf klar definierte Anwendungsfälle trainiert wird, ist generative KI universell einsetzbar – und damit für viele Mitarbeiter erstmals direkt nutzbar.
Ein zentrales Thema des Seminars war die Unterscheidung zwischen schnellen KI-Modellen für operative Aufgaben und sogenannten Reasoning-Modellen, die komplexe Fragestellungen analysieren und strukturieren können. Gerade für strategische Aufgaben – von Marktanalysen bis hin zu Organisations- und Nachfolgefragen – eröffnen diese Modelle neue Möglichkeiten. „Die KI ist nicht der Taschenrechner, sondern eher ein Werkstudent, der Kontext, Feedback und Anleitung braucht“, so Schopf.
Hintergrund:
Im Finanzwesen zeigt sich der Nutzen von KI bereits heute in Bereichen wie Markt- und Risikoanalyse, regulatorischer Aufbereitung oder Kundenkommunikation. Besonders wirkungsvoll ist dabei der Einsatz von Deep-Research-Ansätzen: KI-Systeme durchsuchen parallel eine Vielzahl von Quellen, verdichten Informationen und liefern strukturierte Entscheidungsgrundlagen – deutlich schneller, als es menschlich möglich wäre.
Gleichzeitig warnte Schopf davor, KI rein technologisch zu betrachten. Viele Digitalisierungsprojekte scheiterten nicht an der Technik, sondern an mangelnder Einbindung der Mitarbeitenden. Schulungen, klare Zielbilder und ein schrittweises Vorgehen seien entscheidend für nachhaltigen Erfolg.
Ausblick:
Für Finanzberater bedeutet das: KI wird nicht ersetzen, sondern verstärken. Wer KI als Sparringspartner nutzt, kann fundierter beraten, komplexere Szenarien durchspielen und Kunden transparenter informieren. Entscheidend sei, frühzeitig Kompetenz aufzubauen und den eigenen Arbeitsalltag aktiv neu zu gestalten. „Die Kombination aus menschlicher Erfahrung und KI-Unterstützung wird zum Wettbewerbsfaktor“, fasste Schopf zusammen.