
Private Finanzplanung zwischen Ordnung, Strategie und generationsgerechter Beratung
1. Das Problem: Viel Vermögen, wenig Verbindung
In der Praxis zeigt sich häufig: Vermögenswerte sind vorhanden – aber unverbunden. Depots, Immobilien, Versicherungen, Beteiligungen und Pensionszusagen liegen nebeneinander wie Puzzleteile ohne Plan. Mandanten fühlen sich gut aufgestellt, aber entscheidende Fragen bleiben offen: Was passiert im Pflegefall? Wie wirkt sich der Todesfall auf die Familie aus? Wie wird aus Kapital echte Versorgung?
Genau hier beginnt der Anspruch an eine moderne Finanzplanung.
2. Der Begleiter: Fachlich strukturiert, menschlich verständlich
Private Finanzplanung braucht mehr als Tools – sie braucht Haltung. Wer Finanz- und Nachfolgeplanung professionell begleitet, setzt nicht beim Produkt, sondern bei der Systematik an. Der Einstieg erfolgt nicht über die Depotstruktur, sondern über das Lebensbild des Mandanten: familiär, rechtlich, steuerlich.
Beratung auf dieser Ebene ist keine Verkaufsleistung, sondern konzeptionelle Arbeit. Sie basiert auf Transparenz, Klarheit und Verlässlichkeit.
3. Das Ziel des Mandanten: Klarheit statt Komplexität
Mandanten wollen nicht nur Sicherheit. Sie wollen verstehen, wie ihre Entscheidungsmöglichkeiten aussehen – heute, in fünf Jahren und im Ernstfall. Finanzplanung soll nicht lähmen, sondern erleichtern. Sie soll helfen, Entscheidungen auf einer sauberen, nachvollziehbaren Grundlage zu treffen.
Diese Klarheit führt zu Handlungssicherheit – bei Finanzentscheidungen, in familiären Gesprächen, im Umgang mit Risiken oder in steuerlich relevanten Zeitfenstern.
4. Der Plan: Struktur mit System – das SIVA-Modell
In der Beratungspraxis bewährt sich das SIVA-Modell als Methode für den strukturierten Einstieg:
- Stammbaum: Wer ist zu berücksichtigen? Familiäre Konstellationen, Bindungen, Absicherungen
- Inventar: Welche Vermögenswerte existieren? In welcher Qualität? Welche Verträge sind relevant?
- Verfügungen: Gibt es gültige Testamente, Vorsorgevollmachten, Patientenverfügungen?
- Aktion: Welche Maßnahmen lassen sich daraus ableiten – konkret, steuerlich und übertragbar?
Diese Vier-Schritt-Logik ermöglicht eine Beratung, die auf Verstehen und Verknüpfen basiert – nicht auf bloßem Abarbeiten.
5. Fallbeispiel 1: Kapitalaufbau mit steuerlicher Struktur
Ein 45-jähriger Selbstständiger plant, mit 60 Jahren in den Ruhestand zu gehen. Die erwartete gesetzliche Rente beträgt 1.600 €. Der angestrebte Bedarf liegt bei 3.800 €.
Rentenlücke:
3.800€−1.600€=2.200€monatlich
Die Planung erfolgt mit Blick auf steuerliche Effizienz und langfristige Verfügbarkeit. Zum Einsatz kommt eine sachwertorientierte, breit gestreute Vermögensstruktur mit regelbasiertem Aufbau – abgestimmt auf Risikotoleranz, Entnahmezeitpunkt und Liquiditätsbedarf. Ergänzend wird eine steuerlich geförderte Altersvorsorgelösung integriert (§ 10 EStG), um laufende Einkommensbelastung zu reduzieren und gleichzeitig Vorsorgekapital aufzubauen.
Begleitend wird eine Liquiditätsreserve eingerichtet, die mindestens sechs Monatsausgaben abdeckt – als Puffer für Unvorhergesehenes und zum Schutz vor frühzeitiger Kapitalverwertung.
Das Ergebnis: Eine belastbare, steuerlich flankierte Kapitalstruktur mit individueller Flexibilität in der Entnahmephase – verständlich, nachvollziehbar und langfristig ausgerichtet.
6. Fallbeispiel 2: Schenkung mit Vorbehaltsnießbrauch
Ein Mandant (62) überträgt eine vermietete Eigentumswohnung auf seine Tochter. Die Mieteinnahmen in Höhe von 14.400 € jährlich sollen bei ihm verbleiben.
Die gewählte Lösung: Schenkung unter Vorbehalt des Nießbrauchs.
Formel zur Wertminderung gemäß ErbStR:
Nießbrauchswert=14.400×(18,6−12,4)=14.400×6,2=89.280€
Ergebnis: Reduktion des steuerpflichtigen Schenkungswerts um rund 90.000 € bei gleichzeitiger Versorgungssicherung. Die Freibeträge nach § 16 ErbStG bleiben vollständig nutzbar. Die Lösung verbindet steuerliche Intelligenz mit familiärer Weitsicht.
7. Der Effekt: Struktur gibt Vertrauen
Finanzplanung wirkt, wenn sie strukturiert, nachvollziehbar und vorausdenkend angelegt ist. Wer Finanz- und Nachfolgeplanung ganzheitlich denkt, entlastet nicht nur die Gegenwart, sondern sichert auch die Zukunft. In vielen Fällen verhindert die richtige Struktur Konflikte – bevor sie entstehen.
Denn wer Struktur schafft, schafft Vertrauen – über Generationen hinweg.