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Die Schweiz als Top-Auswanderungsziel für Deutsche: Was Finanz- und Nachfolgeplaner wissen sollten

Die Schweiz ist nicht nur für ihre beeindruckenden Alpen und Schokolade bekannt, sondern auch für ihre hohe Lebensqualität, vorteilhaftes Steuersystem und hohe Gehälter. Der Bruttolohn in der Schweiz ist etwa 70 % höher als in Deutschland, was sie zu einem attraktiven Ziel für deutsche Auswanderer macht.

Die Schweiz bleibt das Top-Auswanderungsziel für Deutsche in Europa. Dies ist nicht nur eine allgemeine Annahme, sondern wird durch Daten des Statistischen Bundesamtes bestätigt. Anfang 2022 lebten knapp 311.300 deutsche Staatsbürger in der Schweiz, und diese Zahl nimmt seit Jahren stetig zu. Im Vergleich zum Vorjahr betrug der Zuwachs weniger als 1 %, was in absoluten Zahlen rund 1.800 Personen entspricht.

Doch was sind die Gründe für diese anhaltende Attraktivität der Schweiz? Und welche Implikationen ergeben sich daraus für Finanz- und Nachfolgeplaner?

Dieser Artikel beleuchtet die aktuellen Trends und bietet wertvolle Einblicke für Fachleute, die ihre Kunden in Bezug auf das Auswandern in die Schweiz beraten möchten.

1. Warum die Schweiz?

Die Schweiz hat sich über die Jahre als das Top-Auswanderungsziel für Deutsche in Europa etabliert. Doch welche Faktoren tragen zu dieser anhaltenden Beliebtheit bei?

  • Kulturelle und geografische Nähe: Die Schweiz bietet nicht nur eine beeindruckende Landschaft und hohe Lebensqualität, sondern auch eine kulturelle und geografische Nähe zu Deutschland. Dies erleichtert den Umzug und die Integration erheblich.
  • Wirtschaftliche Stabilität: Die Schweiz ist bekannt für ihre stabile Wirtschaft, ihren starken Finanzsektor und ihre hohe Lebensqualität. Dies macht das Land besonders attraktiv für Fachkräfte und Unternehmer.
  • Hoher Lebensstandard und gute Gehälter: Besonders für Top-Jobs bietet die Schweiz attraktive Gehälter.
  • Niedrige Steuern: Im Vergleich zu vielen anderen Ländern sind die Steuern in der Schweiz moderat.
  • Erstklassige medizinische Versorgung: Das Gesundheitssystem der Schweiz ist weltweit bekannt für seine Qualität.
  • Sprachliche und kulturelle Nähe: Deutsch gehört zu den Amtssprachen der Schweiz, und es gibt viele kulturelle Ähnlichkeiten zu Deutschland.

2. Rechtliche und administrative Überlegungen

Die Schweiz, obwohl geografisch nahe an Deutschland, hat ihre eigenen Gesetze und Vorschriften, die berücksichtigt werden müssen. Einige wichtige Punkte sind:

  • Aufenthaltsbewilligungen: Deutsche Staatsbürger können mit einem gültigen Reisepass oder Personalausweis problemlos in die Schweiz einreisen und erhalten automatisch eine Aufenthaltsgenehmigung von 6 Monaten. Innerhalb von 8 Tagen nach Ankunft müssen sie sich jedoch bei der zuständigen Wohnortgemeinde melden.
  • Zoll- und Einreisebestimmungen: Bei der Einreise in die Schweiz sollten Sie an Zoll- und Einreisebestimmungen denken. Übersiedlungsgut kann zollfrei eingeführt werden, wenn es seit mindestens sechs Monaten im Besitz des Einwanderers ist.
  • Einbürgerung in der Schweiz: Die Entscheidung, in ein neues Land zu ziehen, ist oft mit der Überlegung verbunden, auch die Staatsbürgerschaft dieses Landes anzunehmen. In Bezug auf die Schweiz zeigen die Daten einige interessante Trends:
    • Neuer Höchststand bei Einbürgerungen: 2021 erreichte die Zahl der Deutschen, die die Schweizer Staatsangehörigkeit annahmen, einen neuen Höchststand. Insgesamt wurden 7.940 Einbürgerungen verzeichnet, was einem Anstieg von 14% im Vergleich zum Vorjahr entspricht.
    • Vergleich mit anderen europäischen Ländern: Zum Vergleich: In Schweden wurden 2021 knapp 1.350 Deutsche eingebürgert, während in Frankreich die Zahl von 330 (im Jahr 2020) auf 430 (im Jahr 2021) anstieg.
    • Bedeutung für Finanz- und Nachfolgeplaner: Die steigende Zahl der Einbürgerungen deutet auf eine langfristige Bindung vieler Deutscher an die Schweiz hin. Dies hat Implikationen für die Finanz- und Nachfolgeplanung, insbesondere in Bezug auf Steuern, Erbschaften und Investitionen.

3. Was Finanz- und Nachfolgeplaner beachten sollten:

Die steigende Zahl von Deutschen, die in die Schweiz ziehen und sich dort einbürgern lassen, bringt spezifische Herausforderungen und Chancen für Finanz- und Nachfolgeplaner mit sich:

  • Doppelte Staatsbürgerschaft: Es ist wichtig zu beachten, dass Deutsche, die auch die Staatsangehörigkeit des Ziellandes haben, in der Statistik nicht als Deutsche gezählt werden.
  • Datenquellen und Aktualität: Die Daten, auf denen diese Erkenntnisse basieren, stammen von Eurostat und dem nationalen Bundesamt für Statistik BFS der Schweiz. Es ist entscheidend, stets aktuelle Datenquellen zu nutzen.
  • Lebenshaltungskosten: Die Lebenshaltungskosten in der Schweiz sind im Schnitt etwa 54 % teurer als in Deutschland. Das Durchschnittsgehalt liegt bei etwa 75.000 EUR pro Jahr.
  • Bildung & Schulsystem: Die Schweiz bietet ein hochwertiges Bildungssystem, das für alle zugänglich ist. Es gibt auch spezielle Überlegungen für Familien, die mit schulpflichtigen Kindern in die Schweiz ziehen.

4. Steuerliche Überlegungen für deutsche Zuwanderer in der Schweiz:

Die Schweiz bietet nicht nur eine hohe Lebensqualität, sondern auch ein einzigartiges Steuersystem, das sich deutlich von dem in Deutschland unterscheidet. Für deutsche Zuwanderer gibt es hierbei einige wichtige Punkte zu beachten:

  • Föderales Steuersystem: Die Schweiz hat ein dreistufiges Steuersystem, das auf Bund-, Kanton- und Gemeindeebene erhoben wird. Dies bedeutet, dass Steuerzahler in der Schweiz auf allen drei Ebenen Steuern zahlen müssen.
  • Einkommenssteuer: Die Einkommenssteuer wird sowohl auf Bundesebene als auch in den einzelnen Kantonen und Gemeinden erhoben. Die Steuersätze variieren je nach Kanton erheblich. Einige Kantone, wie Zug oder Schwyz, sind für ihre besonders niedrigen Steuersätze bekannt.
  • Vermögenssteuer: Neben der Einkommenssteuer erheben die meisten Kantone auch eine Vermögenssteuer auf das weltweite Vermögen von in der Schweiz ansässigen Personen.
  • Quellensteuer für Nichtansässige: Personen, die in der Schweiz arbeiten, aber nicht dort ansässig sind, unterliegen in der Regel der Quellensteuer. Dies bedeutet, dass die Steuer direkt vom Lohn abgezogen wird.
  • Mehrwertsteuer: Die Mehrwertsteuer in der Schweiz beträgt derzeit 7,7%. Es gibt jedoch reduzierte Sätze für bestimmte Waren und Dienstleistungen, wie z.B. Lebensmittel.
  • Doppelbesteuerungsabkommen: Um sicherzustellen, dass Zuwanderer nicht sowohl in der Schweiz als auch in ihrem Heimatland besteuert werden, gibt es ein Doppelbesteuerungsabkommen zwischen der Schweiz und Deutschland. Dieses Abkommen legt fest, welches Land das Besteuerungsrecht für verschiedene Einkommensarten hat.
  • Steuererklärung: Auch wenn das Steuersystem in der Schweiz als vergleichsweise einfach gilt, kann die Erstellung einer Steuererklärung, insbesondere für Zuwanderer, komplex sein. Es ist ratsam, sich professionelle Hilfe zu holen, um sicherzustellen, dass alle Abzüge und Steuervorteile genutzt werden.

5. Erbschafts- und Nachfolgeplanung in der Schweiz:

Die Regelungen rund um Erbschaften und Nachfolge in der Schweiz unterscheiden sich in einigen Punkten von denen in Deutschland. Für deutsche Zuwanderer und ihre Nachkommen sind folgende Aspekte besonders relevant:

  • Kantonale Regelungen: Wie bei den Steuern haben auch die Kantone in der Schweiz eigene Regelungen für Erbschaften und Schenkungen. Dies bedeutet, dass die Erbschaftssteuer je nach Kanton variieren kann. Einige Kantone, wie beispielsweise Schwyz, erheben gar keine Erbschaftssteuer.
  • Pflichtteil: In der Schweiz gibt es, ähnlich wie in Deutschland, gesetzliche Pflichtteilsansprüche. Dies bedeutet, dass bestimmte nahe Verwandte (Kinder, Ehepartner) auch dann einen Anspruch auf einen Teil des Nachlasses haben, wenn sie im Testament nicht berücksichtigt wurden.
  • Testament und Erbvertrag: In der Schweiz können Erblasser entweder ein Testament verfassen oder einen Erbvertrag abschließen. Während das Testament einseitig vom Erblasser verfasst wird, handelt es sich beim Erbvertrag um eine Vereinbarung zwischen dem Erblasser und einem oder mehreren Erben.
  • Internationales Erbrecht: Bei grenzüberschreitenden Erbschaften, insbesondere wenn der Erblasser Vermögen in mehreren Ländern besitzt, kann das Internationale Erbrecht zur Anwendung kommen. Hierbei ist zu beachten, welches Land für die Abwicklung der Erbschaft zuständig ist und welches Erbrecht Anwendung findet.
  • Steuerliche Aspekte: Die Erbschaftssteuer in der Schweiz wird auf kantonaler und/oder kommunaler Ebene erhoben. Es gibt jedoch auch Kantone, die keine Erbschaftssteuer erheben. Zudem gibt es in der Schweiz keine Schenkungssteuer auf Bundesebene, aber einige Kantone erheben eine solche Steuer.

5. Versicherungen in der Schweiz

In der Schweiz ist jeder für seine eigene Krankenversicherung verantwortlich. Eine Grundversicherung ist Pflicht. Bei einem Umzug in die Schweiz haben Sie drei Monate Zeit, sich eine Krankenversicherung zu suchen. Es gibt auch Unterschiede bei der Autoversicherung, der Haftpflichtversicherung und anderen Versicherungsarten.

Fazit:

Die Schweiz bleibt für viele Deutsche ein attraktives Auswanderungsziel, sei es aufgrund der hohen Lebensqualität, der wirtschaftlichen Stabilität oder der kulturellen und geografischen Nähe. Doch mit dem Schritt über die Grenze kommen auch zahlreiche Überlegungen und Herausforderungen auf Zuwanderer zu, insbesondere in den Bereichen Steuern und Erbschaftsplanung.

Für Finanz- und Nachfolgeplaner bietet dies sowohl Chancen als auch Verantwortung. Es ist essenziell, sich mit den spezifischen Regelungen und Besonderheiten in der Schweiz vertraut zu machen, um Kunden umfassend und korrekt beraten zu können. Die stetig wachsende Zahl von Deutschen in der Schweiz zeigt, dass der Bedarf an qualifizierter Beratung in diesem Bereich weiterhin hoch sein wird.

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Quellen:

h_krischke
Author: h_krischke

Seit Oktober 2018 bin ich bei der DZ PRIVATBANK S.A. tätig, berate vermögende Privat- und Firmenkunden sowie Stiftungen auf die strategische und systematische Planung zur Verwaltung und Steigerung des Vermögens einer Person oder eines Unternehmens. Im Oktober 2021 habe ich das Netzwerk IFFUN UG - Informationen für Finanz- und Nachfolgeplanung gegründet, mit dem Ziel fachliche Impulsvorträge zur Wissensvermittlung zu ermöglichen. Seit Juni 2023 bin ich im FPSB Deutschland e.V. als Schatzmeister tätig und gemeinsam mit den Vorstandskollegen bestrebt, dem Ansehen der privaten Finanzplanung vermehrt Aufmerksamkeit zu ermöglichen.

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